Präparation

Der kreative Prozess unter der Lupe

Unter einem kreativen Prozess im engeren Sinne, werden die psychischen und kognitiven Abläufe verstanden, die zur Hervorbringung eines neuartigen Produktes führen. In der Literatur über kreatives Denken werden häufig Phasenmodelle beschrieben, die jedoch unter der Voraussetzung stehen, dass der kreative Prozess bei allen Menschen ähnlich oder gleich abläuft. Dabei wird der kreative Prozess meist als Reorganisation von Wissen betrachtet, der sich mit Hilfe von assoziativen Elementen und neuen Kombinationen formt.

Quelle: eigene Darstellung

Quelle: eigene Darstellung

Dabei dient ein Modell als Ausgangspunkt vieler Betrachtungen des kreativen Prozesses: das Phasenmodell von Graham Wallas, das bereits in den 1920er Jahren entstand und in seiner Abhandlung “The art of thought” 1926 veröffentlicht wurde. Diese Modell unterteilt den kreativen Prozess in vier aufeinander-folgende Phasen:

 

  • Präparation
    Zunächst muss die Aufgaben- oder Problemstellung definiert und geklärt werden. Davon ausgehend werden relevante Informationen gesammelt und brauchbares Wissen aktiviert. Dabei geht es um die Erhebung möglichst vieler und gehaltvoller Informationen. Diese Wissensbasis dient der differenzierten, reflektierten und unvoreingenommenen Betrachtung des Gegenstands.

  • Inkubation
    Diese Phase wird beschrieben als un- oder vorbewusste Weiterverarbeitung der Inhalte, d.h. es geschieht keine aktive Beschäftigung mit der Aufgabenstellung. Diese Denkvorgänge sind somit der Einsicht und dem Bewusstsein vorenthalten.

  • Illumination
    Sie wird charakterisiert als eine plötzliche und sinnhafte Einsicht, die zur Problemlösung führt. Sie ergibt sich unmittelbar aus der Inkubationsphase und stellt die Synthese der unbewussten Prozesse dar.

  • Evaluation
    Hier handelt es sich um eine Phase der Reflexion und Bewertung, da sich nicht jede Idee als gewinnbringend bewahrheitet. Dabei müssen vor allem Aspekte der Neuartigkeit, Angemessenheit, Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit beurteilt werden. In dieser Phase geschehen deshalb noch weitere Veränderungen und Anpassungen des Produkts.

Phasenmodelle können verwendet werden, um kreative Prozesse retrospektiv zu beschreiben oder um diese zu fördern und zu unterstützen. Sie dienen dabei als Hilfestellung in theoretischer wie auch empirischer Hinsicht. In der Praxis lässt sich beobachten, dass diese angenommenen Phasen durchaus nicht chronologisch ablaufen. Es ist viel mehr ein sich wiederholender Zyklus, der mit Hilfe von Reflexions- und Feedbackschleifen passiert. Dabei können Phasen oszillierend oder gleichzeitig ablaufen. So wurden in der wissenschaftlichen Diskussion über mögliche Phasen des kreativen Prozesses auch viele Modifikationen vorgeschlagen. Dabei handelte es sich vor allem um Hinzufügungen von Phasen, wie z.B. die “Phase der Frustration”, die “Phase der Kommunikation” oder die “Phase der Problemklärung”.

Ziel wissenschaftlicher Forschung darf es jedoch nicht sein, mögliche Phasen als solches zu identifizieren. Die Forschung sollte sich auf die kognitiven Prozesse innerhalb der Phasen konzentrieren. Erst wenn diese Denkprozesse exploriert und beschrieben werden können, ist man dem Phänomen der Kreativität weiter auf die Spur gekommen.

Zusammenfassung: Kreative Prozesse werden in der wissenschaftlichen Literatur häufig mittels Phasenmodellen beschrieben. Das Modell von Graham Wallas mit seinen vier Phasen Präparation, Inkubation, Illumination und Evaluation, dient dabei vielmals als Ausgangsbasis. Ziel wissenschaftlicher Forschung sollte jedoch vielmehr die Exploration der kognitiven Prozesse an sich sein.

 

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