Divergentes Denken

Es gibt immer noch eine Idee mehr...

Kreative Personen zeigen besondere Merkmale in ihren Persönlichkeitseigenschaften, ihrer Motivation und ihren kognitiven Fähigkeiten.

Kreative Personen zeigen besondere Merkmale in ihren Persönlichkeitseigenschaften, ihrer Motivation und ihren kognitiven Fähigkeiten.

Was macht eine Person "kreativ"? Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften befördern ein besonderes kreatives Potential? Diesen und weiteren Fragen zu kreativen Persönlichkeiten sind Wissenschaftler etwa seit den 1950er Jahren auf der Spur.
Bisherige Forschungsergebnisse legen nahe, dass kreative Menschen besondere Merkmale in ihren Persönlichkeitseigenschaften, in ihren kognitiven Fähigkeiten und in ihrer Motivation aufweisen.


Dabei möchte ich eine viel diskutierte Fähigkeit herausgreifen und näher erklären: die Fähigkeit zum divergenten Denken. Beim divergenten Denken handelt es sich um einen sogenannten Denkstil, eine kognitive Fähigkeit. Divergentes Denken lässt sich durch die Produktion von vielen alternativen Antworten charakterisieren. Dabei können ungewöhnliche Ideen oder Kombinationen von Ideen entstehen. Beim divergenten Denken werden auch Verbindungen zwischen entfernten Ideen hergestellt und in ungewöhnliche Formen gebracht. Dabei ist divergentes Denken jedoch nicht mit Kreativität gleichzusetzen. Es wird viel mehr als Voraussetzung für Kreativität verstanden.

Es werden drei Aspekte divergenten Denkens unterschieden:

  • Ideenflüssigkeit: Gesamtanzahl aller produzierten Ideen
  • Flexibilität: Anzahl der Kategorien oder Themen, in denen sich die Ideen befinden
  • Originalität: Anzahl der einzigartigen oder ungewöhnlichen Ideen

Haben Sie 5 Minuten Zeit? Dann können Sie mit den folgenden 3 kleinen Kreativitätsübungen ihr divergentes Denken trainieren. Nehmen Sie sich einfach einen Zettel und einen Stift zur Hand. Stellen Sie dann einen Timer auf 1 Minute. Lesen Sie folgende Frage, drücken Sie beim Timer auf Start und schreiben Sie so viele Ideen wie möglich in einer Minute auf. Schreiben Sie alle Ideen auf, die Ihnen in den Sinn kommen, und erscheinen Sie Ihnen auch noch so abstrus.

Frage 1: Wofür kann man einen Kugelschreiber noch alles verwenden?

Zählen Sie im Anschluss die Gesamtanzahl ihrer Ideen. (Ideenflüssigkeit) Überprüfen Sie dann, ob alle Ideen etwa in die gleiche Richtung gehen, oder ob Sie unterschiedliche Kategorien oder Themen verwendet haben. Wie viele unterschiedliche Kategorien sind es? (Flexibilität) Küren Sie dann ihre originellsten und ungewöhnlichsten Ideen. (Originalität)

Schon warm gelaufen? Dann geht‘s gleich weiter mit Frage 2.
Timer wieder auf 1 Minute und los...

Frage 2: Was würde sich verändern, wenn Auto selbst fahren würden?

Werten Sie im Anschluss wieder Ihre Ideenflüssigkeit, sowie Flexibilität und Originalität aus. Jetzt, da die Ideen richtig sprudeln, kommen wir zu letzten Frage.
Timer wieder auf 1 Minute und los...

Frage 3: Was wäre wenn Pflanzen sprechen könnten?

Werten Sie auch hier wieder die Kategorien kreativen Denkens aus. Im Anschluss können Sie die Ergebnisse aller drei Fragen vergleichen: Gibt es eine Veränderung? Gar eine Steigerung? War eine Frage besonders einfach oder schwer für Sie? Über welche Idee mussten Sie selbst schmunzeln? Über welche Antwort waren Sie selbst verblüfft? (...)
Schauen Sie Ihre Antworten genau an und bleiben Sie dran, Ihr kreatives Denken zu trainieren.

Denn kreatives Denken ist erweiterbar! Häufiges Anwenden von Kreativitätstechniken und kreativer Denkansätze unterstützt Sie bei der Entwicklung kreativer Fähigkeiten. Außerdem macht man sich mit dem Nutzen und dem Ablauf einzelner Techniken vertraut. Deshalb: Häufiger mal die Perspektive wechseln und bewusst nach alternativen Lösungsideen suchen! Kreativität beginnt da, wo man sich nicht mit der erstbesten Idee zufrieden gibt.

Zur Inspiration ein mitreißendes Plädoyer von Sir Ken Robinson über die Wichtigkeit von Kreativität und ihre Förderung in der Schule.

Sir Ken Robinson makes an entertaining and profoundly moving case for creating an education system that nurtures (rather than undermines) creativity.