Synektik

Klassische Synketik

Kreativitätstechniken lassen sich in Gruppen ähnlicher Methoden einordnen. Eine dieser Gruppen sind die so genannten Synektik-Methoden. Es handelt sich dabei um assoziative Methoden, die auf der schöpferischen Konfrontation mit themenfremden Inhalten aufbauen. Wichtige Vertreter dieses Methodenzirkels sind z.B. die Reizwortmethode und die klassische Synektik. Diese setzen auf zwei wesentliche Prinzipien:

„Make the familiar strange“: Problementfernung

„Make the strange familiar“: Wiederannäherung an das Problem

Die bewusste und wiederholte Entfernung vom Problem und eine anschließende Wieder-annäherung bringt dabei innovative Lösungen ans Licht.
 

Die klassische Synektik beruht auf acht schritten

  1. Benennen des Themas: Zunächst wird eine Aufgabenstellung formuliert und alle dazu vorhandenen Informationen werden gesammelt und strukturiert.

  2. Erste Lösungsvorschläge: Naheliegende Lösungen werden gesammelt (z.B. mittels Brain-storming) und visualisiert; diese Stufe fungiert als „Purge“ (= Reinigung), damit man im Anschluss mental deblockiert ist. Die Teilnehmenden sollen offen sein für weitere Ideen und Missverständnisse ausräumen. Dadurch wird ein höheres Verständnis erreicht.

  3. Verdichten des Themas: Auf der Basis der ersten gefundenen Lösungsansätze wird das Thema wird nun auf seine ursächliche Bedeutung hin eingeengt. Es folgt eine Neuformu-lierung des Problems in Form eine konkreten Fragestellung.

  4. Bilden direkter Analogien: Man entfernt sich von der Themenstellung und bildet direkte Analogien. Man stellt sich also die Frage, was Ähnlichkeiten oder Gemeinsamkeiten mit dem Thema aufweist. Diese Analogien können z.B. aus den Bereichen Natur, Technik, Geschichte oder Soziales kommen. Die Analogien werden gesammelt und erst im An-schluss bewertet. Dabei wird die Interessanteste ausgewählt und zur Weiterentwicklung verwendet.

  5. Bilden persönlicher Analogien: Die ausgewählte direkte Analogie dient zur Bildung einer persönlichen Analogie. Man soll sich mit der ausgewählten Analogie identifizieren. Nun sind die Emotionen entscheidend und man soll alle Gefühle äußern, wenn man sich ganz stark in die Analogie hineinversetzt. Die Gefühle und Bedürfnisse werden gesammelt und visualisiert.

  6. Bilden symbolischer Analogien: Es wird ein Gefühl der vorhergehenden Stufe ausgewählt und daraus symbolische Analogien abgeleitet. Diese sollen aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen. Adjektiv und Substantiv sollen dabei in einem gewissen Widerspruch stehen. Durch diese paradoxe Kombination wird weiteres kreatives Potential befeuert. Es wird wiederum eine favorisierte Phrase ausgewählt.

  7. Rückführung in eine direkte Analogie: Zur symbolischen Analogie wird nun wieder eine direkte Analogie. Diese Analogie soll aus dem Bereich stammen aus dem auch die Aufga-benstellung kommt. Diese letzte Analogiebildung wird auf alle Merkmale hin untersucht und auf das Ausgangsthema übertragen.

  8. Force-Fit: Diese Übertragung auf das Ausgangsproblem wird Force-Fit genannt. Dabei werden durch die Eigenschaften der Analogie Verbindungen mit den Merkmalen des Ursprungsthemas hergestellt. Dabei muss keine wörtliche, sondern eine ideelle Über-tragung stattfinden. Daraus können dann konkrete Lösungsansätze entwickelt und hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit geprüft werden

Bei der klassischen Synketik entfernt man sich bewusst vom Thema um sich im Anschluss aus einer neuen Richtung anzunähern. (Bild: eigene Darstellung)

Bei der klassischen Synketik entfernt man sich bewusst vom Thema um sich im Anschluss aus einer neuen Richtung anzunähern. (Bild: eigene Darstellung)

Bei der klassischen Synektik handelt es sich um eine anspruchsvolle und komplexe Kreativitätsmethode. Sie ist sehr zeitintensiv und kann durchaus mehrere Stunden bzw. bis zu einem Tag in Anspruch nehmen. Deshalb sind hier eine gewisse Erfahrung, Leitung durch einen Moderator oder eine Moderatorin und ein gutes Arbeitsklima von besonderer Bedeutung.

 

 





Quellen und Literaturhinweise:

  • Antosch-Bardohn J. (2007): Kreativitätstechniken in rhetorischen Prozessen. München: GRIN Verlag.

  • Luther M. (2013): Das große Handbuch der Kreativtätsmethoden. Bonn: managerSeminare Verlags GmbH.

Zusammenfassung: Bei der klassischen Synektik handelt es sich um eine Kreativitätstechnik mit dem Ziel sich zunächst von der Problemstellung zu entfernen, um sich im Anschluss aus einer neuen Perspektive wieder anzunähern. Dabei erfolgen acht Arbeitsschritte in denen direkte, persönliche und symbolische Analogien entwickelt werden. Darauf aufbauend werden neue Lösungsansätze zu einer Fragestellung gesucht.
 

Hat Sie dieser Beitrag zum Nachdenken angeregt oder hat er Ihnen einen Impuls gegeben?
Dann können Sie hier meinen Blog abonnieren und erhalten etwa alle 10 Tage einen neuen Artikel. Ich freue mich auch über Weiterempfehlungen, Likes und Verlinkungen. Herzlichen Dank.