Das auf der Aufnahme bin doch nicht etwa ich?

Haben Sie schon mal eine Tonbandaufnahme von Ihrer Stimme gehört? Als Sie z.B. den Anrufbeantworter besprochen haben… Dann kennen Sie sicherlich dieses Phänomen:
»Oh, so klinge ich? Ist das wirklich meine Stimme?«
Den meisten Menschen ist die eigene Stimme sehr ungewohnt, als würde eine andere Person sprechen. Ja, den meisten gefällt sie sogar nicht besonders gut. Irgendwie so dünn und mager. Allen anderen fällt nichts auf. Denn sie wissen natürlich nicht, wie sich die Stimme im Körper des Sprechers bzw. der Sprecherin anhört. Doch woher kommt dieser Effekt eigentlich?
 

Die Stimme besteht aus vielen Tönen

Eine Stimme besteht nicht nur aus einem einzelnen Ton, sondern ist eine Überlagerung sogenannter Obertöne. Das heißt, dass gleichzeitig viele verschiedene Frequenzen in einer Stimme schwingen. Neben der Grundfrequenz, die wir als Tonhöhe wahrnehmen, schwingen gleichzeitig auch noch ganzzahlige Vielfache dieser Grundfrequenz. Diese ergeben einen Gesamtklang. Der Kehlkopf ist dabei die Quelle der Obertöne. Dort werden sämtliche Obertöne produziert. Alle Obertöne die dort nicht entstehen, können dann also auch nicht für die Stimme genutzt werden.
 

Julia bei einem Konzert

Julia bei einem Konzert

Der Vokaltrakt wirkt als Filter

Dieser Gesamtklang breitet sich vom Kehlkopf in den sogenannten Vokaltrakt aus. So nennt man den gesamten luftgefüllten Raum, der sich über den Stimmlippen befindet. Dazu gehören der Rachenraum, der Mundraum und der Nasenraum mit all ihren knöchernen, knorpeligen, muskulären und mukösen Strukturen. Diese Räume wirken als Filter. Das bedeutet, dass aus dem Gesamtklang einige Frequenzen abgeschwächt, also leiser gemacht werden, andere werden verstärkt. Dann verlässt dieser gefilterte Klang unseren Körper und dringt an das Ohr eines Hörers bzw. einer Hörerin.
 



Die Übertragung von Obertönen

Wenn wir uns also „in uns drinnen“ hören, dann haben wir eine Überlagerung von zwei Klangeindrücken. Zum einen hören wir die Stimme über die sogenannte Luftleitung. Das ist der Klangeindruck den alle anderen auch haben. Der Klang, der den Mund verlässt und im äußeren Raum resoniert. Zum anderen hören wir uns aber auch über die sogenannte Knochenleitung. Das ist ein Übertragungsweg, der direkt an unser Innenohr gelangt. Dieser Anteil in der von uns gehörten Stimme klingt anders, weil er nicht durch den Mundraum gefiltert wurde. Daher klingt die Innenstimme immer voller und resonanter, da sie noch alle Obertöne aus dem Primärklang enthält.
 

Zusammenfassung: Unsere Stimme klingt in uns drin, anders als andere Personen sie hören. Das liegt an der Überlagerung sogenannter Obertöne. Eine Stimme besteht nämlich nicht nur aus einem Ton, sondern aus einer Überlagerung viel Obertöne, die am Kehlkopf enstehen. Wir selbst hören uns über Knochen- und Luftleitung, wobei uns andere Personen nur über die Luftleitung hören. Dieser Klang ist vom Vokaltrakt gefiltert.
 

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