Rhetoriktraining München

PowerPoint-Folien zielführend nutzen

Ein professionell wirkender Einsatz von Präsentations- bzw. PowerPoint-Folien ist heute bei Vorträgen nahezu eine Selbstverständlichkeit und schlichtweg unverzichtbar. Das Software-Programm eignet sich um informative Vorträge visuell zu unterstützen.
 

Ein kleiner Leitfaden zur Folienerstellung

Damit dies gelingt, habe ich den nachfolgenden Leitfaden zusammengestellt. Er soll helfen in kurzer Zeit übersichtliche und wohlgestaltete Folien zu erstellen. Dabei handelt es sich nicht um eine Erklärung technischer Aspekte oder der Funktionalität der Software. Vielmehr wird aus rhetorischer Sicht erklärt, was sinnvoll und wichtig ist, damit die Zuhörenden die Folien leichter kognitiv verarbeiten können. Der Leitfaden gliedert sich deshalb in drei Abschnitte:

  • Folien aufbauen
  • Orientierung schaffen
  • PPT-Folien gestalten

Wenn sich diese Aspekte in Ihrer Foliengestaltung wiederspiegeln, erleichtern Sie die kognitive Verarbeitung und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Zuhörenden die Inhalte Ihrer Präsentation besser erinnern.

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PPT-Folien aufbauen

Bevor man beginnt eine Präsentation zu gestalten, hilft es ein paar grundlegende Aspekte zu betrachten.

Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass jede Visualisierung der Verständlichkeit dient. Deshalb müssen Folien übersichtlich und einfach gestaltet sein. Zudem muss Visualisiertes gut sicht- bzw. lesbar sein. Damit eine hohe Verständlichkeit gewährleistet ist, sollte man sich über die Ziele und Botschaften der Präsentation im Klaren sein. Stellen Sie sich deshalb vorab folgende Fragen:

  • Was ist mein Ziel mit dieser Präsentation? Was sollen die Zuhörenden nach dem Vortrag erinnern? Was sollen die Zuhörenden wissen, verstehen bzw. können?
  • Was ist der rote Faden meines Vortrags? Wie sind Einleitung, Hauptteil und Schluss gestaltet? Wie gestalte ich Übergänge zwischen einzelnen Redeteilen?
  • Wie kann ich die Relevanz des Themas für das Publikum erhöhen? Gibt es einen aktuellen bzw. persönlichen Bezug?
  • Welche Fragen stellen sich die Zuhörenden bei diesem Thema? Gibt es vielleicht Vorurteile oder Vorannahmen über das Thema?

Der Redeaufbau sollte sich im Anschluss genau im Ablauf der Präsentationsfolien widerspiegeln. Jede einzelne Folie hat deshalb eine konkrete Botschaft. Dabei ist es sinnvoll, wenn nicht mehrere bzw. zu viele Botschaften auf einer Folie repräsentiert sind. Folgende Fragen helfen das herauszufinden:

  • Welche Darstellung wird dem Publikum helfen das Wichtige bzw. die Kernaussage zu erkennen?
  • Wie kann das Wesentliche im Vergleich zu weniger wichtigen Aussagen hervorgehoben werden?
  • Welche Reihenfolge ist bei der Erklärung bzw. Visualisierung wichtig, damit die Botschaft leicht verstanden wird? Gibt es Informationen die Voraussetzung bzw. Folge von anderen Informationen sind?
  • Gibt es unwichtige Botschaften, die eventuell sogar dem Erkennen der wichtigen Botschaft im Wege steht?

Foto "PPT-Folien aufbauen": Julia Rupprecht

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Orientierung schaffen

Die Zuhörenden sollen sich auf den Folien leicht zurecht finden. Wie kann man die Verständlichkeit sichern?

  • Platzeinteilung: Wählen Sie eine einheitliche Linienführung und gleichmäßige Ränder und verwenden Sie Kopf- bzw. Fußzeilen. Der Folienmaster, sowie Gitterlinien und Lineale helfen Ihnen bei der Ausrichtung. Das beruhigt das Auge und Inhalte können visuell leichter erfasst werden.
  • Systematik: Insgesamt sollten Farbgebung, Schrift, Größen etc. systematisch gewählt werden und sich über die gesamte Präsentation nicht verändern.
  • Agenda: Jede Folie mit Inhalt sollte eine Nummerierung, Folienzahl bzw. eine mitlaufende Agenda tragen. Das erleichtert Rückfragen, Bezüge und die eigene Orientierung.
  • Funktionsobjekte: es können Objekte eingeführt werden, die für das Publikum mit einer bestimmten Aufforderung oder Handlung verknüpft sind, und die sehr schnell wiedererkannt werden. So z.B. ein Fragezeichen für "Fragen des Publikums sind erwünscht".
  • Überschriften: jede Folie trägt eine Überschrift oder einen Action Title. Bei einem Action Title handelt es sich um einen positiv formulierten Satz, der Subjekt, Verb und Objekt beinhaltet. Er formuliert die Hauptbotschaft der Folie.
  • Einführung bzw. Zusammenfassung von Inhalten: mit einem Management-Summary werden die wichtigsten Inhalte kurz zu Beginn des Vortrags präsentiert, so z.B. Hauptbotschaften, (Lern-)ziele oder Ergebnisse. Mit Take-away-boxen am Ende von Redeabschnitten können die wichtigsten Inhalte eines Vortragsteils nochmals hervorgehoben werden.

Foto "Orientierung schaffen": Julia Rupprecht

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PPT-Folien gestalten

Bulletpoint nach Bulletpoint wirkt ermüdend und vermittelt die Inhalte nicht passend. Wie entstehen schöne Folien?

Die Gestaltung basiert grundsätzlich auf dem Prinzip von Gleichheit und Kontrastierung:  
Deshalb arbeiten Sie mit Unterschieden in Größe, Form, Raumorientierung, Position und Farben. In folgenden Bereichen können Sie eine PPT recht schnell wirkungsvoll gestalten:

  • Text: Eine serifenlose Schrift ist für PPT empfehlenswert, so z.B. Arial, Franklin Gothic, Futura, Helvetica, Optima. Verwenden Sie Fett, Kursiv, Unterstreichung, Schriftart, Größe systematisch.
  • Inhalte: Verwenden Sie nur Stichworte und keine ganzen Sätze. Die Ausnahme sind Zitate oder Passagen bei denen die wortwörtliche Formulierung von besonderer Wichtigkeit ist. Auf einer Folie sollten in etwa fünf +/- zwei Inhalte sein, die alle thematisch zum Action Title gehören.
  • Farbe: Verwenden Sie wenige Farben und machen Sie sich dafür eine Farbpalette mit passenden Farben. Bleiben Sie tendentiell mehr in einem Farbspektrum. Achten Sie auf genügend Kontrast, damit Sie später keine Schwierigkeiten bei der Darstellung mit dem Beamer bekommen. Hier kann es immer zu Farbverschiebungen kommen.
  • Animationen: Wählen Sie schlichte Animationen verwenden Sie diese systematisch. Sie helfen, um durch einen schrittweisen Aufbau das Lesen der Folien oder einer Grafik zu erleichtern.
  • Bild/ Audio/ Video: Wählen Sie das Bild, Audio oder Video mit Bedacht aus und überprüfen Sie ob es wirklich zur zu vermittelnden Botschaft passt. Schneiden Sie es ggf. zu und nutzen Sie nur den inhaltlich relevanten Ausschnitt. Achten Sie auf eine ausreichende Qualität bzgl. Größe, Auflösung, Kontrast oder Lautstärke.
  • Grafik/ Smartart: Grafiken ermöglichen die Darstellung von zeitlichen Abläufen, Verhältnissen, Proportionen und Strukturen. Wählen Sie einen passenden Graphen aus, der die Daten gemäß ihrer Aussagen am besten darstellt, so z.B. Kuchen, Bar, gestapelte Bars, geteilte Bars, Punkte-Wolke, Liniengraphen. Verwenden Sie keine 3D-Effekte, da dies die Lesbarkeit verzerrt. Im optimalen Fall ist die Beschriftung in der Grafik angeben. Wenn Sie eine Smartart-Grafik verwenden, dann geben Sie zunächst die ungefüllten Formen vor und füllen Sie diese im Anschluss mit Inhalten.

Foto "PPT-Folien gestalten": Julia Rupprecht

Zusammenfassung: PPT-Folien können mit einigen Kniffen wirkungsvoll gestaltet werden. Wenn Sie vornherein bedenken, wie Sie die Präsentation aufbauen, wie Sie Orientierung für die Zuhörenden schaffen und wie Sie dann Folien gestalten, steht einem souveränen PPT-Einsatz nichts mehr im Wege.
 

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Auffallend anders.

Auffallend anders. Das ist ein Rhetorik- und Marketingworkshop für Künstlerinnen, Künstler und Kreative von und mit den beiden Trainerinnen Julia Mindermann und Julia Rupprecht.

Foto: Julia Rupprecht

Foto: Julia Rupprecht

Der Workshop richtet sich an Künstler und Kreative unterschiedlichster Disziplinen und Richtungen. Dieser Workshop befähigt die Teilnehmenden über sich und ihre Produkte zu sprechen. Dabei geht es sowohl um rhetorische Fähigkeiten im persönlichen Kontakt als auch um die Positionierung über Marketingmaßnahmen. Es werden keine Patentrezepte oder Ratschläge erteilt. Statt dessen lässt dieser Workshop viel Raum für Reflexion und Austausch mit anderen Kreativen. Wir unterstützen dabei Klarheit über das eigene Profil und Portfolio zu entwickeln, so dass am Ende des Workshops ein individuelles Konzept für das Auftreten als künstlerisch und kreativ tätige Person entsteht und sich der Teilnehmer / die Teilnehmerin dabei sicher fühlt mit Kundinnen und Kunden sowie Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern zu kommunizieren.

 

Das Training umfasst insgesamt fünf Workshoptage, zwei Coachingsitzungen à 90min mit Julia Mindermann oder Julia Rupprecht, sowie Selbstarbeitsphasen mit Arbeitsaufträgen nach jedem Workshop. Lern- und Feedbackpartnerschaften begleiten das Training dauerhaft.

Julia Mindermann ist Expertin für Marketing und Kommunikation, Julia Rupprecht für Rhetorik und Kommunikation. Wir lieben Kunst, Kultur und kreative Ideen und unterstützen deshalb künstlerisch und kreativ tätige Personen eine Kommunikation zu finden, die genau zu ihnen passt. Und die vor allem so zu ihnen passt, dass sie sich nicht verbiegen, anpassen oder marktkonform machen müssen.

Interessiert? Weitere Informationen unter: www.julia-training.com/auffallend-anders
Wir freuen uns von Dir zu hören!
Mit herzlichen Grüßen,
Julia Mindermann & Julia Rupprecht

Einen merkwürdigen Einstieg schaffen

Wie soll ich nur meine Präsentation oder meinen Vortrag beginnen?
„Sehr geehrte Damen und Herren, wie schön dass…“ - das ist sehr freundlich, aber nicht unbedingt mitreißend.
„Mein Vortrag heute beschäftigt sich mit…“ - das ist informativ, aber auch hier wird die Aufmerksamkeit des Publikums wahrscheinlich nicht geweckt.
Doch wie schafft man einen merkwürdig gestalteten Einstieg in einen Vortrag? Merkwürdig meine ich in diesem Sinne wörtlich. Wie bleibt eine Einleitung wirklich im Gedächtnis?
 

Die Einleitung übernimmt wichtige Funktionen

Leider nehmen wir uns all zu oft sehr wenig Zeit dafür. Einerseits meinen viele, dass es sich dabei eher um verlorene Zeit handelt, die lieber für Inhalte verwendet werde sollte. Andererseits fehlen vielen Vortragenden spannende Ideen zur Gestaltung. Doch sollte man eine Einleitung nie weglassen oder zu stark verkürzen, da sie folgende Aufgaben hat:

  1. Kontakt und Beziehungsebene zu den Zuhörenden herstellen
    - Begrüßung und Anrede der Zuhörenden
    - Vorstellung der eigenen Person und Bezug zum Thema
     
  2. Aufmerksamkeit und Interesse wecken; Relevanz aufzeigen
    - Aktuellen thematischen Kontext darstellen
    - persönliche Betroffenheit und lebensnahen Bezug herstellen
    - Ziel und Nutzen des Vortrags aufzeigen
     
  3. Hinführung zum Thema und Orientierung über den weiteren Verlauf
    - Thesen und Fragen formulieren, die im Hauptteil beantwortet werden
    - Gliederung und Agenda des Vortrags vorstellen
     

Wie gestalte ich nun meine Einleitung?

Als grobe Faustregel kann man sagen, dass etwa 10% der Redezeit auf die Einleitung verwendet werden sollten. Bei einer Gesamtzeit von 60min Vortrag kann man also etwa 6min auf die Einleitung verwenden. Spricht man 30min vor Publikum, so sollte man doch mindestens 3min für die hinführenden Worte einplanen. Aber auch bei einem Kurzvortrag von 10min fällt die Einleitung nicht weg. Nehmen Sie sich auch hier eine Minute Zeit, das Publikum über das Thema und Ihre Person zu informieren.

Nun noch ein paar ganz konkrete Ideen, wie man die Einleitung so gestaltet, dass sie bei den Zuhörenden im Gedächtnis bleibt. Natürlich ist diese Liste nicht vollständig und kann durch viele weitere kreative Ideen ergänzt werden.

  1. Einleitung mit Interaktion mit dem Publikum
    - Blitzlicht-Abfrage oder Zurufliste (z.B. zu den Erwartungen)
    - Abstimmung zu einer These oder Quizfrage
     
  2. Einleitung mit audio-visueller Unterstützung
    - Thematisch passende/r Film oder Audio
    - Cartoon, Bild
    - Zitat (z.B. im O-Ton)
     
  3. Einleitung mit Bezug zu persönlicher Relevanz
    - Alltagssituation oder Alltagsbezug
    - aktuelles Zeitgeschehen, Zeitungsartikel
    - Geschichte, Anekdote oder Storytelling
    - Rhetorische Frage oder provokative These / Behauptung

Diese Elemente können zum Abschluss des Vortrags wieder aufgegriffen werden um eine Art Zirkelschluss zu machen. Damit wird eine Kohärenz im Vortrag begünstigt. Mit diesem roten Faden kann sich das Publikum Informationen des Vortrags leichter merken.
 

Zusammenfassung: Die Einleitung einer Präsentation übernimmt wichtige Funktionen. So schafft sie Kontakt und stellt eine Beziehungsebene zu den Zuhörenden her - weckt Aufmerksamkeit und Interesse und zeigt Relevanz auf - und führt zum Thema hin und orientiert über den weiteren Verlauf. Hier kann der / die Vortragende einen merkwürdigen Einstieg schaffen. Das gelingt am besten durch eine Einleitung mit Interaktion mit dem Publikum, audio-visueller Unterstützung oder einem Bezug zu persönlicher Relevanz.

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Was steckt hinter der 7-38-55-Regel?

Im Bereich der Sprecherwirkung gibt es allerhand Mythen und Falschaussagen, die plakativ und plausibel sind und deshalb gerne verwendet werden, um die Wichtigkeit eines Trainings zu unterstreichen. Eine der wohl bekanntesten Aussagen ist, dass 55% der eigenen Wirkung auf den Körperausdruck, 38% auf die Stimme und nur 7% auf die Sprache, also den Inhalt, zurückzuführen sei. Es kommt also gar nicht darauf an WAS du sagst, sondern nur WIE du es sagst. In einem älteren Artikel habe ich bereits beschrieben, mit welchen Ängsten und Unsicherheiten diese „7-38-55-Regel“ spielt. Denn viele Menschen verspüren Unsicherheiten mit der eigenen Wirkung durch Stimme und Körper, und haben deshalb die Befürchtung, dass ihre Inhalte beim Gegenüber nicht ankommen.

Albert Mehrabian

Albert Mehrabian

Die Ironie der Geschichte ist, dass der Autor dieser Zahlen vollkommen missverstanden und falsch zitiert wurde. Wahrscheinlich handelt es sich um eine der tragischsten Geschichten der Wissenschaft. Denn Albert Mehrabian hat diese Zahlen nie allgemein-gültig auf Kommunikation übertragen wollen. Man könnte sagen, dass diese Zahlen ihr Eigenleben entwickelt haben, oder besser gesagt: Anderen kamen diese Zahlen gerade recht und sie wurden immer und immer wieder zitiert und auf menschliche Kommunikation als Ganzes angewendet. Mehrabian hat über Jahre hinweg selbst versucht diese als Regel postulierten Zahlen wieder einzufangen. So sagt er selbst, dass jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein sollte, dass es sich hierbei nicht um die korrekte Aussage handelt.

Doch was hat Albert Mehrabian, emeritierter Professor für Psychologie an der University of California in Los Angeles, eigentlich genau untersucht? Und wie sind diese Untersuchungen zu sehen?

Mehrabian hat diese Untersuchungen in den 1960er Jahren durchgeführt. Dabei schaut sich Mehrabian zusammen mit Kollegen inkongruente Botschaften an, d.h. Botschaften bei denen auf unterschiedlichen Ausdrucksebenen unterschiedliche Aussagen transportiert werden. Ihn Interessiert wie Hörer diese Inkongruenzen wahrnehmen und wie auf Basis der verfügbaren Information auf die Emotion bzw. Haltung des Sprechers geschlossen wird. Das heißt es war nicht sein Ziel, auf Sprecherwirkung oder die Glaubwürdigkeit des Sprechers im Allgemeinen zu schließen. Es ist an dieser Stelle auch wichtig zu betonen, dass diese Untersuchungen auf Einwortebene stattgefunden haben. Eine Untersuchung, die ein einziges Wort als Stimulus hat, kann niemals auf Kommunikation als Ganzes übertragen werden. Im Speziellen sind dabei nun zwei Studien aus dem Jahr 1967 wichtig.

Inkongruenter Ausdruck in Wort und Stimme

Die erste Studie schaut sich Wörter und den Stimmklang an. Dabei werden positive, neutrale und negative Wörter mit positiver, neutraler und negativer Tonalität in der Stimme kombiniert.
Das heißt die positiven Wörter (honey, dear, thanks), neutralen Wörter (maybe, really, oh) und negativen Wörter (don’t, brute, terrible) werden in allen Möglichkeiten mit positivem, neutralem und negativem Stimmklang kombiniert. Diese Kombinationen wurden dann Hörern vorgespielt, die entscheiden sollten, welche Emotion oder Haltung des Sprechers dahinter vermutet wird. Das Experiment zeigte, dass in diesem Fall dem Stimmklang mehr Bedeutung zugesprochen wird als dem Wort an sich.

Mimischer und stimmlicher Ausdruck bei neutralem Wort

In einer zweiten Studie wird nun der mimische Ausdruck mit einbezogen. Den Probanden wurde eine weibliche Stimme vorgespielt, die das Wort „maybe“ in den drei stimmlichen Ausrucksvarianten positiv, neutral und negativ vorspricht. Dann wurden den Probanden Fotografien von weiblichen Gesichtern mit positivem, neutralem und negativem Ausdruck gezeigt. Die Probanden sollten dann den Ausdruck der Audioaufnahmen, den Ausdruck der Fotografien und von beidem in Kombination beurteilen. Die Fotos wurden mit einem Verhältnis von 3:2 genauer beurteilt.

An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass Fotografien von Gesichtern mit positivem, neutralem und negativem Ausdruck verwendet wurden. Körperausdruck ist immer bewegt und umfasst wesentlich mehr als den mimischen Ausdruck, weshalb auch dies nicht auf Kommunikation als Ganzes übertragbar ist.

Was kann man nun aus diesen Untersuchungen ziehen?

Aus diesen beiden Studien ergibt sich rein rechnerisch, diese viel zitierte Gewichtung. Doch sollte die Beschreibung der beiden Untersuchungen gezeigt haben, dass die Aussage, dass 55% der eigenen Wirkung auf den Körperausdruck, 38% auf die Stimme und nur 7% auf die Sprache, also den Inhalt, zurückzuführen sei, vollkommen falsch und vor allem auch nicht intendiert war. Zudem sollte man sich bewusst machen, dass die drei Kategorien positiv, neutral und negativ nicht passend und ausreichend sind, um kommunikative Wirkung zu beschreiben. Mehrabian wollte sich inkongruente Botschaften anschauen, nicht Wirkung.

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Wenn doch noch etwas in Ihnen sagen sollte, dass da schon was Wahres dran sein wird, dann ist es vielleicht interessant sich folgende Frage zu stellen:

Was ist 100% Wirkung?

Das Wahre ist für mich, dass Sprache, Stimme und Körper zusammen Wirkung erzeugen. Diese können wir aber nicht nummerisch ausdrücken. Es gibt keine Formel, die uns zeigt wie wir überzeugender, glaubwürdiger oder wirkungsvoller werden. Aber diese Zahlen adressieren genau diesen Wunsch. Die Untersuchungen von Mehrabian können aber auch den Fokus darauf lenken, dass die Ausdrucksebenen kongruent oder inkongruent zusammenwirken können. Das Gegenüber ist also wahrscheinlich sehr sensibel dafür, dass eventuell nicht zueinander passende Botschaften gesendet werden. Und das erzeugt in jedem Fall erstmal Irritation.

Zusammenfassung: Eine bekannte Aussage in der Kommunikationspsychologie ist, dass 55% der eigenen Wirkung auf den Körperausdruck, 38% auf die Stimme und nur 7% auf die Sprache, also den Inhalt, zurückzuführen sei. Diese Zahlen, die auf den Psychologie-Professor Albert Mehrabian zurückgehen, wurden immer wieder falsch interpretiert und zitiert. Zwei Studien aus dem Jahr 1967 werden hierbei oftmals falsch ausgelegt. Wirkung kann nicht nummerisch ausgedrückt werden und entsteht nur im kongruenten Zusammenwirken von Sprache, Stimme und Körper.

Literatur:

  • Mehrabian, A., & Wiener, M. (1967). Decoding of inconsistent communications. Journal of Personality and Social Psychology, 6, 109-114.
  • Mehrabian, A., & Ferris, S.R. (1967). Inference of attitudes from nonverbal communication in two channels. Journal of Consulting Psychology, 31, 248-252.

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Wie lange braucht eigentlich der Aufzug in den 3. Stock?

Der Mythos besagt, dass der sogenannte Elevator Pitch dadurch entstanden ist, dass findige und engagierte Vertriebsleute neue Ideen und mögliche Lösungen mit ihren Chefs besprechen wollten. Doch die Chance den Chef anzutreffen war sehr gering, denn die Führungskräfte waren natürlich sehr beschäftigt und daher schwer für ein Gespräch zu bekommen. Doch eine Möglichkeit bot sich: Den vielbeschäftigten Managern in den Aufzug nachhechten, und ihnen während der Fahrt in ein anderes Stockwerk das Anliegen vortragen.
Das bedeutet: Wenig Zeit und eine knackige Botschaft!

Elevator Pitch_Julia Training

Beim Elevator-Pitch sollen also die relevanten und wesentlichen Informationen eines Themas in einer möglichst prägnanten Form dargeboten werden. Dabei soll vor allem der Nutzen oder die Kernbotschaft in den Vordergrund gestellt werden. Ziel ist es, punktgenau und verständlich zu formulieren.

 

 

Folgende Fragen können helfen diese Kürze und Prägnanz zu erreichen:

  • „Worum geht es?“
  • „Was ist das Besondere, das Sensationelle, das Hilfreiche, das Relevante?“
  • „Worin unterscheidet sich das Thema u.U. von anderen Angeboten?“
  • „Welche Lösung und welchen Nutzen bietet es?“

Die gesammelten Infos werden immer weiter zu einer Kernbotschaft verdichtet. Dabei kann man sich immer wieder die Fragen stellen:

  • „Worauf kommt es mir besonders an? Trifft es das schon?“
  • „Gibt es noch etwas das unverständlich oder unklar ist?“
  • „Wie bleibt die Aussage noch stärker im Gedächtnis?“

Heute werden Pitches gerne genutzt, um z.B. vor möglichen Investoren die zu fördernde Idee überzeugend vorzubringen. Hier entscheiden die Schlagkraftigkeit der Idee, aber ebenso die Präsentationsfähigkeit im Pitch über den Erfolg. Und das kann man üben! Wenn man den Elevator-Pitch folglich als Trainingsmethode einsetzt, so kann er vor einer Gruppe geübt werden, um die Aussage zu verfeinern und die Wirkung zu erhöhen. Dabei ist insbesondere auf den sprecherischen Ausdruck zu achten, der die Kürze und Prägnanz sinnvoll unterstützen soll.

Zusammenfassung: Der Elevator Pitch ist eine Präsentationsform in der die Botschaft möglichst knapp, prägnant, verständlich und motivierend rübergebracht werden soll. Leitfragen helfen diese kurze Präsentation zu erarbeiten. Beim Training sollte darauf geachtet werden, dass der sprecherische Ausdruck die Inhalte optimal unterstützt.

Was Cicero noch nicht wusste...

Rhetorik - einmal anders! Und zwar so, dass es Redner und Publikum große Freude macht.
Ich habe ein Konzept entwickelt, wie die Vorbereitung und Durchführung von Reden durch den Einsatz von Kreativitätstechniken unterstützt werden kann. Kreative Denkformen helfen dem Redner bei der Erarbeitung des Themas, beim Erstellen der Redestruktur, bei der Analyse von Publikum und Situation, sowie bei der Gestaltung des Mediums. Dabei werden zwei Bausteine erarbeitet: Präsentationstechniken und Kreativitätstechniken.

KaWa-Methode

Präsentationstechniken bilden die Basis. Da- bei steht das Ausdrucksverhalten des Sprechers im Mittelpunkt. Hier kann mit Hilfe von individuellem Video-Feedback gearbeitet werden. Dabei werden konkrete Hinweise ge- geben, wie der eigene Ausdruck mittels Sprache, Stimme und Körperausdruck verbes- sert werden kann. Rededispositionen und Mediengestaltung werden gezielt eingesetzt.

Kreativitätstechniken werden nun als zielgerichtete Unterstützung in der Erarbeitung einer Rede eingesetzt. Zu diesem Zweck kommt ein eigens für die Rederhetorik zusammengestellter kreativer Methodenkastens zum Einsatz. Dort können je nach Fragestellung, Techniken zur Ideenfindung, zur Gestaltung von Redeaufbau und Sprache, sowie zur Analyse von Situation und Publikum ausgewählt werden. Durch das Anwenden der Techniken wird kreatives Denken geschult.

Rhetorik soll folglich von kreativen Denkformen profitieren, um folgende Ziele zu erreichen:

  • Der Redner steigert seine Souveränität und Flexibilität in Redevorbereitung und Durchführung.
  • Der Redner kann das Redethema und den Redeaufbau originell gestalten.
  • Der Redner findet eine ansprechende und anschauliche Gestaltung von Medium und Sprache.
  • Der Redner findet einen erfrischenden und angemessenen Umgang mit Zuhörern und Redesituation

Zusammenfassung: Rhetorik profitiert von kreativen Denkformen. Deshalb habe ich ein Konzept entwickelt das Kreativitätstechniken für die Rederhetorik und für Präsentationen nutzbar macht. Mit Hilfe eines Methodenkastens können kreative Ideen bei der Erarbeitung des Themas, beim Erstellen der Redestruktur, bei der Analyse von Publikum und Situation, sowie bei der Gestaltung des Mediums gefunden werden.