Training und Coaching

Lampenfieber: Dieses Kribbeln im Bauch...

Gleich geht es los. Ich muss nach vorne. Dort wo mich alle sehen können. Alle Augen und Ohren sind auf mich gerichtet. Alle werden mir bei meiner Präsentation zuhören. Oh Gott, hoffentlich mache ich keine Fehler, hoffentlich vergesse ich nichts, hoffentlich bemerkt niemand meine Aufregung. Ich hab Angst.

Jeder kennst diese Situation. Jeder kennt die Anspannung und Nervosität, wenn man vor anderen sprechen muss: Lampenfieber! Dieser Adrenalin-Kick ist das letzte Quäntchen, um in einer wichtigen Situation die eigene Höchstleistung abzurufen. Doch dafür darf die Nervosität nicht Überhand nehmen. Auf den richtigen Umgang und das richtige Maß kommt es an.

Was ist Lampenfieber?
Lampenfieber gehört zu den sozial-kommunikativen Ängsten. Die Nervosität entsteht in Situationen in denen eine besondere Leistung in der Öffentlichkeit erbracht werden soll. Es besteht die Angst zu versagen, Erwartungen nicht zu erfüllen, Status zu verlieren, negative Bewertungen zu erhalten, zurückgewiesen oder nicht anerkannt zu werden.
In Erwartung dieser bevorstehenden Situation schütten die Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin aus. Es entstehen körperliche, emotionale und mentale Reaktionen auf diese empfundene Stresssituation. Jeder zeigt dabei ganz individuelle Reaktionen und Verhaltensweisen, die u.a. mit eigenen Erfahrungen und Erinnerungen zu tun haben.

Wie äußert sich Lampenfieber?
Die Symptome des Lampenfiebers lassen sich auf drei verschiedenen Ebenen beobachten: körperlich, emotional und mental. Erkennen Sie sich in folgenden Symptomen wieder?

  1. Körperliche Reaktionen: Dazu gehören z.B. Herzklopfen, muskuläre Anspannung, Zittern, Mundtrockenheit, Hochatmung, Schwitzen, Erröten, Veränderung des Stimmklangs, (...). Bei vielen dieser Symptome handelt es sich um Reaktionen des autonomen Nervensystems, weshalb sie nicht willkürlich steuerbar sind.

  2. Emotionale Reaktionen: Die Person ist von einem Gefühl der Angst und Beklemmung betroffen. Das kann z.B. auch mit einer erhöhten Reizbarkeit, einem Gefühl von Hilflosigkeit oder Bedrohtsein einhergehen.

  3. Mentale Reaktionen: Dazu gehören Gedanken und Glaubenssätze, die einem in der stressigen Situation durch den Kopf gehen. So z.B. „Das werde ich nicht schaffen!“, „Das habe ich schon immer nicht gekonnt!“ oder „Was die Zuschauer wohl über mich denken werden?“. Außerdem kann es zu Konzentrationsmangel und Vergesslichkeit kommen.

Diese Ebenen stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander, was zu dem Effekt eines Teufelskreises führen kann: Ich nehme z.B. wahr, dass meine Stimme verändert klingt, denke daraufhin, dass alle bemerken, dass ich sehr aufgeregt bin, wodurch sich wiederum mein Puls erhöht. Es gilt diesen Teufelskreis zu durchbrechen und einen konstruktiven Umgang mit den vorhandenen Symptomen zu finden.

Was kann man gegen Lampenfieber tun?
Um Lampenfieber zu reduzieren müssen individuell passende Bewältigungsstratgien entwickelt werden. Dazu muss man die individuell zutreffenden Ursachen und Symptome des Lampenfiebers berücksichtigen. Denn Lampenfieber hat sowohl mit der Selbstwahrnehmung und dem Selbstvertrauen, als auch mit der Einschätzung der Situation zu tun.
Grundsätzlich sind folgende Maßnahmen langfristig erfolgversprechend:

  1. Anerkennen des Lampenfiebers: Viele wollen, dass das Lampenfieber einfach weg ist. Doch der Versuch es wegzudrängen kann zu einer Verstärkung führen. Ein konstruktiver Umgang kann erst durch die Anerkennung des Lampenfiebers geschehen: Es ist okay, dass ich aufgeregt bin!

  2. Körper- und Bewegungsübungen: Durch Bewegung wird Adrenalin abgebaut. Außerdem werden Muskeln tonisiert und somit in das passende Aktivierungsniveau versetzt. Machen Sie Lockerungsübungen und bewegen Sie sich.

  3. Atemübungen: Der Atem, obgleich er durch das autonome Nervensystem gesteuert wird, kann willentlich beeinflusst werden. Tiefes Ein- und Ausatmen beruhigt, entspannt und stärkt die Stimme. Versuchen Sie etwas länger auszuatmen. Der Einatem folgt automatisch und anstrengungsfrei.

  4. Positive Gedanken und Bilder: Wenn einem viele schlechte Gedanken durch den Kopf gehen, braucht es ein motivierendes Gegengewicht, das die eigene Moral stärkt. Suchen Sie sich ein positives Mantra, eine positive Selbstaffirmation oder ein beruhigendes inneres Bild, das Sie in der Lampenfiebersituation begleitet.

Um die individuell passenden Maßnahmen zu finden, ist eine Begleitung durch einen Coach sinnvoll. Er kann Ihnen helfen, das Lampenfieber in seinen Ursachen und Symptomen zu analysieren, um dann effektive Handlungsstrategien zu erarbeiten.

 

Wollen Sie Ihr Lampenfieber in den Griff bekommen?

Das Ebook “Stark mit Lampenfieber!” bietet Ihnen kompakt das wichtigste Hintergrundwissen dazu, wie Sie zu einem förderlichen Umgang mit Ihrem Lampenfieber kommen. Denn für eine souveräne und starke Wirkung ist es wichtig, dass Sie verstehen, wie die ganz persönlichen Ursachen und Symptome des Lampenfieber zu Stande kommen und wie Sie diesen entgegenwirken können.

 

Hier noch ein sehr unterhaltsamer und informativer Vortrag von Matt Abrahams (Stanford Graduate School of Business) zum Thema „Effective Speaking in Spontaneous Situations“. Ein großer Teil des Vortrags ist dem Umgang mit Vortragsnervosität gewidmet. Viel Vergnügen!

Communication is critical to success in business and life. Concerned about an upcoming interview? Anxious about being asked to give your thoughts during a meeting? Fearful about needing to provide critical feedback in the moment? You are not alone! Learn and practice techniques that will help you speak spontaneously with greater confidence and clarity, regardless of content and context.

Was ich Dir schon immer mal sagen wollte...

Feedback ist eine wichtige Möglichkeit, die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Feedback befördert somit Lernen und Transfer. Die Rückmeldung einer anderen Person zu meinem beobachtbaren Verhalten hilft mir Eigen- und Fremdwahrnehmung, Ist- und Zielzustand, sowie meinen persönlichen Lernzuwachs über die Zeit zu beurteilen.

Im Alltag befinden wir uns häufig in Situationen, in denen wir Feedback geben oder empfangen. Dabei sollte man sich immer bewusst sein, wie mächtig und wirkungsvoll ein Feedback sein kann, gerade wenn es die Kommunikation und die Person betrifft. Und dieses Feedback kann positiv, aber auch negativ wirken. Viele berichten mir von Rückmeldungen, die sie im Verlauf ihres Lebens bekommen haben. Es sind Rückmeldungen, die sie nicht einordnen können, die sie nicht verstehen, oder die teilweise verletzend waren. Auch ich kenne ganz persönlich solche irritierenden Aussagen. Was bleibt, ist meist Verunsicherung. Und diese Verunsicherung kann sich dann wieder im Kommunikationsverhalten zeigen.

Wie geht man also als mit diesem gleichermaßen mächtigen wie wirkungsvollen Instrument "Feedback" um? Feedback-Regeln gibt es genug. Ich möchte hier nicht die besten Feedbackregeln zusammenstellen, sondern eine Orientierung geben, wie man Feedback reflektieren kann. Dafür sind fünf Denkschritte notwendig:

Denkschritt Nr. 1: Verhalten und Wirkung sind nicht das Selbe. Ein Verhalten ist objektiv beschreibbar. Eine vollkommene Objektivität werden wir dabei aber nie herstellen können. Wirkung ist immer rein subjektiv. Es ist die Beurteilung des Verhaltens vor dem Erfahrungshintergrund und den Einstellungen des Beobachters. Diese Beurteilung ist von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst, so z.B. von der Situation, von Emotionen, von der Beziehung zum Feedbacknehmer u.v.a.m.

Denkschritt Nr. 2: Bei Feedback handelt es sich folglich um die subjektive Wahrnehmung einer einzelnen Person, die sich auf das konkrete Verhalten in einer ganz bestimmten Situation bezieht. Das heißt: Ein Feedback ist nicht generalisierbar! Eine Person - eine Situation - eine Meinung. Und so viele Leute man fragt, so viele Meinungen wird man bekommen. Dabei ist man auch nicht verpflichtet jedes Feedback unreflektiert anzunehmen.

Denkschritt Nr. 3: Um Feedback richtig einordnen zu können und auf die eigene Entwicklung beziehen zu können, braucht es ein empirisches Vorgehen. Dahinter steht die Annahme, dass ich ein ähnliches Feedback von unterschiedlichen Personen in unterschiedlichen Situationen brauche, um eine Hypothese über meine Wirkung zu bestätigen oder zu verwerfen. Ich persönlich nenne das Hypothesen-Parkplatz. Konkret bedeutet das:

  1. Bilde aufgrund eines Feedbacks eine Hypothese über Dich selbst, Dein Verhalten und Deine Wirkung. (z.B. „Es gibt offensichtlich Leute, die glauben, Julia sei...")

  2. Suche viele Situationen in denen Du diese Hypothese gezielt überprüfst. Hole Dir dazu Feedback ein (z.B. „Habe ich in der Situation ... auf dich gewirkt?“) und ziehe Informationen aus der Situation, die sich auf Deine Hypothese beziehen.

  3. Wenn Du genügend Informationen gesammelt hast, überlege ob sich Deine Hypothese bestätigt oder ob Du sie verwerfen kannst.
    (z.B. „89 von 100 Befragten glauben, dass Julia ... ist. Da könnte also was dran sein.“)

  4. Überlege, ob Du mit dem Ergebnis glücklich bist oder nicht.

Denkschritt Nr. 4: Alles ist situationsbezogen! Das bedeutet, man sollte seine kleine Statistik ein wenig differenzieren, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen. Vielleicht ist ja die Hypothese an bestimmte Faktoren gebunden: z.B. „Ich bekomme das Feedback immer wenn ich präsentiere, immer wenn ich diskutiere, immer wenn telefoniere (...)“ „Ich bekomme das Feedback immer von Männern, von Frauen, von Vorgesetzten, von Familienmitgliedern (...)“ etc. Das hilft herauszufinden in welchen konkreten Situationen ein Verhalten vermehrt auftritt. Außerdem kann man im Hintergrund wirkende Faktoren identifizieren.
 
Denkschritt Nr. 5: Die Entwicklungsrichtung liegt irgendwo zwischen Fremdwahrnehmung und Selbstwahrnehmung. Das bedeutet auch, dass keine von beiden Wahrnehmungen die "richtigere" Wahrnehmung ist. Es heißt nur, dass Fremdwahrnehmungen mit dem eigenen Empfinden und Erleben in Verbindung gebracht werden müssen. Wenn ich also nun eine bestätigte Hypothese habe, kann ich mich zu ihr positionieren. Ich kann sie vor meinem Erfahrungshintergrund reflektieren, auf meine Gefühle beziehen und ggf. Ziele für die Zukunft ableiten. Und die Zielformulierung ist der Ausgangspunkt für die konkrete Handlungssteuerung in der Zukunft.

Hier noch ein kleines Feedback-Schema, das für den Alltag sehr einfach zu verwenden ist. Und dabei nicht vergessen: Sei Immer gut mit Dir selbst und mit anderen.

Feedback-Schema WWW, Quelle: eigene Datstellung

Auf welchem Weg zum Ziel?

Ziele sind für die Gestaltung des eigenen Lern- und Entwicklungswegs grundlegend. Ein gut formuliertes Ziel zeigt uns den angestrebten Zustand, der sich qualitativ vom momentanen unterscheidet: Wenn ich mein Ziel erreicht habe, dann weiß ich, verstehe ich und kann ich etwas besser. Aber wie formuliert man so ein gutes Ziel? ...so dass die Zielsetzung wirklich motivierend wirkt, und dass die Zielsetzung in einem guten Verhältnis zu den eigenen Fähigkeiten steht.

Deshalb möchte ich Euch exemplarisch zwei sehr unterschiedliche Arten der Zielformulierung vorstellen. Diese haben beide ihre Vor- und ihre Nachteile. Wenn man diese aber gegeneinander abwägt, kann man beide Zielarten gewinnbringend einsetzen.

Das konkrete und spezifische Ziel: SMART
Viele kennen das Akronym SMART aus dem Bereich des Projektmanagements. Dabei wird ein Ziel auf fünf Ebenen formuliert:
S = spezifisch, d.h. das Ziel muss eindeutig definiert sein
M = messbar, d.h. es muss Kriterien geben, an denen ich erkenne, dass ich das Ziel erreicht habe
A = akzeptiert, d.h. dass es als motivierend und erstrebenswert angenommen wird
R = realistisch, d.h. dass ein Ziel mit den gegebenen Fähigkeiten und Mitteln erreichbar ist
T = terminiert, d.h. dass ich einen klaren zeitlichen Rahmen habe, in dem das Ziel oder Meilensteine zu erreichen habe

Hier ein Beispiel für ein SMART-Ziel:
Bis kommenden Montag (T) schreibe ich auf Basis meine Literaturrecherche (R) 3 DIN-A4 Seiten für das Kapitel 2.4 (M) meiner Seminararbeit.

Da es sich um ein selbstgestecktes Ziel handelt, ist davon auszugehen, dass es akzeptiert (A) ist. Wenn man selbst Widerstände verspürt, sollte man dem Grund dafür nachgehen. Am Ende kann nochmal geprüft werden, ob die ganze Formulierung spezifisch (S) genug ist. Ansonsten muss nachgebessert werden.
Diese Art der Zielformulierung lässt sich sehr gut auf konkrete Aufgaben anwenden. Hier können Teilschritte operationalisiert werden, Prozesse miteinander abgestimmt und verknüpft werden. Ist das Ziel jedoch erreicht, muss das nächste unmittelbar formuliert werden. So entsteht meist eine Kaskade von Verhaltenszielen.

Das allgemeine und abstrakte Ziel: Mottoziel
Motto- oder Haltungsziele haben einen situationsübergreifenden Charakter. Das bedeutet, dass sie eher allgemein formuliert sind, und nicht ein konkretes Verhalten sondern eine innere Haltung betreffen. Aus psychologischer Sicht birgt das mehrere Vorteile: Sie werden als stärker zum Selbst gehörend erlebt und sind auch mit stärkeren Emotionen verbunden. Deshalb wirken sie motivierender als konkret formulierte Ziele. Da sie sich auf viele Lebensbereiche und Situationen übertragen lassen, werden sie meist auch als „unstillbare“ Ziele oder Identitätsziele bezeichnet. Sie können ihren richtungsweisenden Charakter für eine Person nämlich unter Umständen ein ganzes Leben lang behalten. Wichtig ist jedoch, dass das übergeordnete Haltungsziel immer wieder auf konkrete Situationen bezogen werden muss, da sich das daraus abgeleitete Verhalten von Situation zu Situation unterscheiden kann. Dies bedarf einer gewissen Reflexionsfähigkeit.

Hier ein Beispiel für ein Mottoziel:
Ich schreibe an meiner Seminararbeit mit Freude, Genuss und Ruhe.

Wenn man diese beiden Zieltypen zusammenbringt, gewinnt man folgende Erkenntnis: Ziele können in u.a. in zwei Dimensionen formuliert werden.

  • Situationsspezifisch vs. Situationsübergreifend

  • Verhalten vs. Haltung

Daraus ergibt sich eine Vierfeldertafel der Zielformulierung, an der man immer wieder überprüfen kann, mit welchem Zieltypus man gerade arbeitet. Es kann einem auch helfen zu reflektieren, welche Zielart man gerade braucht, um gut motiviert und mit Energie zum eigenen Ziel zu kommen.

Beispiel in der Vierfeldertafel: Verbesserung der Durchsetzungsfähigkeit
 

Vier Zieltypen, Quelle: eigene Darstellung

Vier Zieltypen, Quelle: eigene Darstellung

Quelle: Storch M. et al. (2010): Embodiment, Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern: Verlag Hans Huber.

Lass mich in Dir lesen, Baby!

Wer die Arme verschränkt, zeigt Abwehr und Ablehnung.
Wer die Schultern hebt, verteidigt sich.
Wer den Kopf gerade hält, weiß was er will.
Wer seine Beine überschlägt, zeigt dass er sich der einen Seite zuwendet, und mit der anderen nichts zu tun haben will.

Haben Sie schon mal eine oder mehrere dieser Aussagen gehört? Und auch geglaubt?
Es erscheint ja als plausibel und einleuchtend, dass der Körper unsere eigentlichen Motive, Gefühle und Intentionen „verrät“. Doch werden solche Pauschalaussagen unserer menschlichen Psyche, unserer Kommunikation und unserem sozialen Miteinander überhaupt gerecht?
Auf keinen Fall!

Doch dahinter befinden sich zwei all zu menschliche Sehnsüchte: Einerseits wollen wir selbst eine tolle Wirkung erzielen. Wir wollen Eindruck machen, imponieren und auch beeinflussen. Und mit solchen Rezepten weiß ich, wie ich mein körperliches Verhalten steuern muss. Andererseits wollen wir das Gegenüber deuten können. Wir wollen seine verborgenen Botschaften entschlüsseln, im Anderen lesen und auch Widersprüche und Lügen aufdecken. Und mit solchen Rezepten kann ich eindeutig sagen, was der Andere in Wirklichkeit denkt oder fühlt.

Das ist mit der Vorstellung verbunden, dass der Körper die vermeintlich "ehrliche" Ebene unseres Ausdrucks ist. Die Sprache kann lügen, doch der Körper hat immer Recht und kann eben nicht lügen. Deshalb muss ich den Körperausdruck deuten können, und ihm eine klare, eindeutige Aussage zuordnen. Eins zu eins Zuordnungen von Körperausdruck und Bedeutung sind aber keinesfalls zulässig. So muss man eine klare Unterscheidung zwischen Körpersprache und Körperausdruck treffen. Körpersprache sind die Gesten, die in einem Kulturkreis sprachlich konventionalisiert sind, wie z.B. Kopfschütteln oder der erhobene Daumen. Jeder weiß genau, was damit gemeint ist. Der Körperausdruck hingegen entwickelt sich situativ und personengebunden und lässt keine eindeutige Interpretation zu. Er erzeugt eine Wirkung, die wir aus unserer Erfahrung heraus interpretieren und beurteilen. Und Interpretationen unterliegen erfahrungsgemäß auch Fehlern.

Außerdem ist es mit der Vorstellung verbunden, dass es schon eine ganz klare Bedeutung im Inneren gibt, die durch den Körper nur noch zum Ausdruck gebracht wird. Sprache und Körper sollen also das Abbild einer im Inneren fertigen Bedeutung sein. Doch die Bedeutung dessen was ich sage, ist nicht schon im Vorfeld fertig: sie entsteht, entwickelt sich, wird beeinflusst und verändert, unterliegt verschiedenen Intentionen und Gefühlen, hängt von Wissen und Haltungen ab (...) Die Bedeutung ist etwas Dynamisches. Und damit sind auch unser Körperausdruck, unsere Sprache und unsere Stimme etwas Dynamisches.

Wir bringen uns zur Wirkung. Deshalb halte ich Folgendes für besonders wichtig: Halten Sie die Augen und Ohren offen und entwickeln Sie ein feines Gespür für die Menschen in Ihrer Umgebung. Das bedeutet offen zu sein, frei von Rezepten, Stereotypen, Vorurteilen und Kommunikationsdogmatismus. Unterstellen Sie nicht schon im Vorfeld, was Andere genau gemeint haben. Fragen Sie im Zweifelsfalle auch mal und beschreiben Sie, wie das körperliche Verhalten auf Sie gewirkt hat. Dann können Sie ja sehen, wie der Andere darauf reagiert...

Hier noch zwei Buchtipps, um sich tiefer mit diesem Thema zu beschäftigen:
Heilmann C.M. (2011): Körpersprache - richtig verstehen und einsetzen. München: Ernst Reinhardt Verlag.
Storch M. & Tschacher W. (2014): Embodied communication - Kommunikation beginnt im Körper, nicht im Kopf. Bern: Verlag Hans Huber.

Wie viel der Körper zur Wirkung bringen kann, zeigt Rowan Atkinson mit seinem unsichtbaren Schlagzeug. Viel Spaß dabei!

Die Liebe zur Stimme

Julia in einem Stimmtraining  Bild: Joshua Burkert

Julia in einem Stimmtraining
Bild: Joshua Burkert

Eine Faszination und Liebe begleitet mich mein ganzes Leben: die Liebe zur mensch-lichen Stimme. Seit vielen Jahren habe ich mich auf den Weg begeben meine eigene Stimme zu bilden und zu entfalten. Es ist ein sehr bereichernder und lohnenswerter Weg. Genau dies möchte ich weitergeben. Und so kann ich aus einem breiten Erfahrungsschatz schöpfen, wenn es darum geht Andere auf ihrem Stimm-Weg zu unterstützen.

Da ist zunächst mein sprechwissenschaftlicher Zugang. Er hilft mir dabei, passgenaue Trainings- und Coachingansätze zu erarbeiten, die an die kommunikativen und stimmlichen Anforderungen des Klienten angepasst sind. Außerdem betrachte ich die Stimme im Gesamtkontext individueller Persönlichkeitsentwicklung. Hier kann die Stimme als Schlüsselelement, Metapher und Mittel zur Weiterentwicklung verwendet werden.
 
Als akademische Sprachtherapeutin habe ich einen medizinischen und therapeutischen Zugang zum Thema Stimme. Durch mein Verständnis für physiologische und anatomische Zusammenhänge kann ich stimmliches Verhalten analysieren, diagnostische Verfahren durchführen und passende Methoden auswählen. So kann ich auch Klienten fachkundig beraten, die Probleme mit der eigenen Stimme verspüren.  

Komplementiert wird dies durch meinen künstlerischen Zugang zum Thema Stimme. Er lässt mich die Stimme in ihrer Vielfarbigkeit, in ihrer Wirkungskraft und in ihrer Leistungsfähigkeit begreifen. Durch die Erfahrung der Bühne kann ich Anderen helfen ihren souveränen Ausdruck zu finden, und auch mit Lampenfieber umzugehen. Durch gesangspädagogische Ansätze können Singen und ein Experimentieren mit der eigenen Stimme konstruktiv genutzt werden.

All diese Erfahrungen integrieren sich zu einem ganzheits- und entwicklungsorientierten Ansatz, auf der Basis evaluierter und zielgerichteter Interventionen.

https://www.julia-training.com/stimmtraining

P.S.: Durch das Audio können Sie einen kleinen Einblick in meine Facette als Sängerin gewinnen.

Julia Rupprecht - Padam Padam

Der kreative Akt ist das Unergründbare...

Wie entwickelt man stimmige Konzepte vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen und eigenen Erlebens? Das ist eine Frage mit dem sich das Erlebensbezogene Concept Coaching (ECC) auseinandersetzt. Es handelt sich um einen Coaching-Ansatz, in dessen Mittelpunkt die Begleitung von Personen und Gruppen bei der Entwicklung neuer Ideen und Konzeptionen steht. Diese Methode zur Konzeptentwicklung fußt auf der Philosophie Eugene T. Gendlin‘s, der Methode „Thinking at the Edge“ und hat viele Elemente der Personenzentrierten Gesprächsführung.

Nun hat ein ECC-Fachtag in Frankfurt a.M. stattgefunden, an dem ich als EC-Coach und Teil des ECC-Netzwerks, dabei war. Dieses Netzwerk von TrainerInnen, Coaches und Beraterinnen, erstreckt sich über ganz Deutschland und hat zum Ziel innovative Konzepte und Projekte auf den Weg zu bringen.
Dementsprechend war auch der Geist des Fachtages geprägt von fokussiertem Arbeiten, neuen Ideen und Mut zu frischem Denken! Danke dafür.

Weitere Informationen unter:
Deloch H. & Feuerstein Heinz-Joachim (2011): Kreativität im Personenzentrierten und Erlebensbezogenen Ansatz.

Die 7-38-55-Lüge

Sind Ihnen diese Zahlen auch schon mal begegnet? Es geht um kommunikative Wirkung: Angeblich sollen 55% der eigenen Wirkung auf den Körperausdruck, 38% auf die Stimme und nur 7% auf die Sprache, also den Inhalt, zurückzuführen sein. Es kommt also gar nicht darauf an WAS du sagst, sondern nur WIE du es sagst. Spätestens jetzt sollten bei Ihnen alle Alarmglocken läuten.
Ganz nach dem Flaschenpostprinzip werden diese Zahlen immer wieder falsch und in unterschiedlicher Auslegung verwendet. Mal ist es die Wirkung, mal die Glaubwürdigkeit, die durch diese scheinbar magischen Zahlen beschrieben wird.
Doch hinter dem Erfolg dieser Zahlen verbirgt sich eigentlich nur eine all zu menschliche Angst: Die eigene Angst nicht überzeugen zu können. 93% sollen vom stimmlichen und körpersprachlichen Auftreten abhängen. Und damit verspüren viele Menschen große Unsicherheiten. Wir bewundern souveräne Rhetoriker und sind uns unserer eigenen Wirkung nicht bewusst. Und jetzt gibt es den wissenschaftlichen Beweis, schwarz auf weiß: Ich muss was tun, sonst werde ich keinen Erfolg haben!

Doch wussten Sie, dass es sich bei diesen Zahlen um eine tragische Geschichte der Wissenschaft handelt? Der Psychologie-Professor Albert Mehrabian, auf den diese Zahlen zurückgeführt werden, hat und wollte diese Aussage NIE treffen. Seine Untersuchungen und Ergebnisse wurden einfach falsch gelesen. Doch hat sich diese falsche Interpretation seiner Ergebnisse wie ein Lauffeuer ausgebreitet, und wurde auf die zwischenmenschliche Kommunikation als Ganzes übertragen. Das ist schlichtweg falsch!

In einem BBC Radio 4 Interview aus dem Jahr 2009 hat sich Prof. Mehrabian zu dieser Fehlinterpretation seiner Arbeit geäußert. Mehrabian sagt selbst, dass jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein sollte, dass es sich hierbei nicht um die korrekte Aussage handelt. Wer möchte, kann das Interview hier anhören. Der Beginn des Interviews ist bei Minute 23:10.

https://www.bbc.co.uk/sounds/play/b00lyvz9

Wer sich über die Person Albert Mehrabian informieren möchte kann auf der Website der Psychologie-Fakultät der Clark University nachlesen.

https://www.psych.ucla.edu/faculty/page/mehrab

Und für diejenigen, die sich nochmals auf humoristische Art überzeugen wollen, dass diese Aussage nicht stimmt, hier ein Link zu einem Sketch von Loriot.

Ich bin ein Fan von guten Inhalten! Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir gute Ideen und Inhalte brauchen, um unsere Gesellschaft in allen Bereichen voranzubringen. Deshalb dürfen wir die Inhalte nicht zum Vasallen der Verpackung werden lassen.

Ausdruck und Inhalt gehören untrennbar zusammen. Und deshalb kommt es darauf an, dass eine Aussage in sich stimmig und kongruent ist. Worte, Stimme und Körperausdruck müssen also zueinander passen. Arbeiten Sie deshalb an Ihren Ideen, Ihrer Stimme und an Ihrem Körperausdruck. Es ist eine tolle und bereichernde Arbeit, die Ihnen helfen wird, sich souverän und sicher zu fühlen. Und damit können Sie auch Andere begeistern!

P.S.: Wer möchte, spricht mich einfach an. Dann kann ich gerne detailliert erklären, was Albert Mehrabian eigentlich genau untersucht hat. Denn der nächste falsche Schluss wäre, dass Mehrabian „schlechte“ wissenschaftliche Arbeit geleistet hast. Das stimmt nämlich auch nicht!

UPDATE: In diesem Artikel erkläre ich, was Albert Mehrabian eigentlich genau untersucht hat.